Zahnspange im Erwachsenenalter

Zufrieden war ich mit meinen Zähnen nie. Mehr noch, ich habe mich geschämt. In meiner Kindheit war ich zwar bereits in kieferorthöpädischer Behandlung, allerdings mit einer losen Spange, die nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt hat. Zudem habe ich die Spange damals gehasst und auch die regelmäßigen Besuche beim Kieferorthopäden. Kurzum ich habe die Behandlung sehr schleifen lassen und bereue natürlich sehr, damals nicht schon eine feste Spange gehabt zu haben. Aber so war es.

Mit dem Älterwerden nahm auch die Eitelkeit zu. Ab einem bestimmten Alter habe ich so gut es geht, versucht meine Zähne zu verstecken, mir beim Lachen den Mund zugehalten und mich selbst so wenig wie möglich mit offenem Mund im Spiegel angesehen.

Der meist gehörte Satz auf Parties? „Melly, lach doch mal!!“ (Foto von 2012)

Irgendwann habe ich angefangen mich damit zu arrangieren, habe Posen auf Fotos gefunden, auf denen ich mich einigermaßen gut fand, lachte mit vorgehaltener Hand und verschwendete im Alltag keine weiteren Gedanken darüber. Aber nachts ging das Gedankenrad los und ich fragte mich, ob ich wirklich so leben will und ich dachte über die Zukunft nach, denn meine Zahnärzte sagten mir, dass es durch den Überbiss, wahrscheinlich ist, dass meine vorderen Zähne sehr früh (um die 40) ausfallen. Oft dachte ich mir dann aber wieder, dass da sicher gar nichts mehr zu retten ist. Das hat mich also weiterhin davon abgehalten mich zu informieren.

Eines Tages kamen Kieferschmerzen dazu. Abends konnte ich manchmal nicht einschlafen ohne eine Schmerztablette. Ein paar Wochen ignorierte ich den Zustand, dann beschloss ich, Anfang 2015, dass sich nun doch endlich etwas ändern muss.

Also recherchierte ich zu dem Thema: welche Arten von Zahnspangen gibt es? Welche Kosten rollen da auf mich zu? Wie viele Schmerzen muss ich aushalten? Und wie lange werde ich wohl mit diesem Gestell herumlaufen müssen?

Die Antworten? Ließen sich nicht alle im Internet finden. So eine kieferorthopädische Behandlung ist eine sehr individuelle Sache und es lässt sich wenig mit anderen vergleichen. Eins war mir allerdings klar: ein Schnäppchen wird es nicht.

Schnappschüsse mit offenem Mund gibt es wirklich kaum, ich habe stundenlang meine Festplatte durchsucht! Dabei sieht man es von weitem noch nicht mal so deutlich.

Auswahl eines Kieferorthopäden

Zuerst einmal habe ich mich auf die Suche nach einem Kieferorthopäden gemacht. Meine Kriterien waren:

  • Die Praxis sollte möglichst in meinem Wohnort sein (mir war aus der Kieferbehandlung in meiner Jugend bewusst, dass man regelmäßig dort vorstellig werden muss)
  • Es soll sich um eine moderne Praxis, bzw. eine Praxis mit modernen Behandlungsmethoden handeln
  • Das zwischenmenschliche sollte passen, schließlich würde man sich in Zukunft wohl öfter sehen

Nach kurzer Recherche hatte ich drei Praxen (ja, obwohl wir in einer kleinen Stadt wohnen, gab es sogar mehrere die infrage kamen) ausgewählt. Relativ oberflächlich habe ich als Erstes einen Termin bei der Praxis mit der hübschesten Webseite und der besten Parkplatzsituation vereinbart. Ich wurde ausführlich beraten, ich habe meine Wünsche geäußert (das es kein reines Metallgestell werden darf, war mir von Anfang an klar) und es wurden Fotos, sowie Röntgenaufnahmen gemacht um ein Angebot zu erstellen.

Die Kosten

Für viele wohl der interessanteste Punkt. Also, here we go: Der erste Kostenpunkt kommt bei vielen Praxen schon auf dich zu, wenn du dir ein Angebot erstellen lässt. Da bereits Abdrücke, Röntgenaufnahmen und Fotografien gemacht werden müssen, um ein ausführliches Angebot zu erstellen, ist das natürlich auch völlig nachvollziehbar.

Der Preis der Behandlung ergibt sich aus den ausgewählten Materialien (klar, dass ein reines Metallgestell günstiger ist), Extraleistungen und natürlich dem Honorar der/des Kieferorthopäden. Bei mir war es so, dass ich von Anfang an wusste, dass ich eine mehr oder weniger unsichtbare Spange haben möchte (Hinter den Zähnen, also Lingualtechnik, wollte ich allerdings nicht, da diese noch teurer und so wie ich gelesen habe auch schmerzhafter ist), also Keramik Brackets mit durchsichtigen Gummis. Dies ist natürlich ein Punkt, der die Kosten in die Höhe treibt, mir war es allerdings wichtig. Also lange Rede kurzer Sinn: der Preis für meine Behandlung wird euch nicht viel sagen, da sowas absolut individuell ist. Um euch trotzdem einen Anhaltspunkt zu geben: Es handelt sich um einen mittleren  4-stelligen Betrag. Da mir die erste Praxis sehr sympathisch war und sich die Behandlung mit meinen Vorstellungen deckte, habe ich mir kein zweites Angebot eingeholt (das wäre wie oben bereits erwähnt auch mit weiteren Kosten verbunden gewesen).

Als Berufsanfängerin ohne Rücklagen hatte ich diesen Betrag leider nicht auf meinem Sparkonto. Eine kleine Summe habe ich angezahlt und für den Rest eine Ratenzahlung vereinbart. Das ist in der Regel bei den meisten Kieferorthopäden möglich, fragt einfach mal nach! Die Krankenkasse – sofern ihr keine Zusatzversicherung habt – übernimmt in den aller meisten Fällen leider nichts.

Nachdem ich mich bereits vorher über mögliche Kosten informiert habe, war das Angebot also kein Schock mehr für mich und auch, dass die Behandlung bis zu 3 Jahre dauern könnte, wunderte mich bei meinen Zähnen nicht so sehr. Ich vereinbarte die Ratenzahlung und wollte dann, dass es so schnell wie möglich losging.

Einsetzen der Spange

Am 1. April 2015 war dann der große Tag. Das Einsetzen an sich hat nicht lange gedauert. 1 1/2 Stunden vielleicht, es war nicht schmerzhaft aber unangenehm den Mund so lange offen zu halten. Als ich nach Hause kam, heulte ich bei dem Anblick im Spiegel. Ja, eine Spange mit durchsichtigen Brackets ist weniger sichtbar, aber nicht völlig unsichtbar. Vor allem nicht von nahen.

Tag des Einsetzens der Spange

Zwei Stunden später setzen dann die Schmerzen ein, die steigerten sich im Laufe des Tages so sehr, dass mir das Aussehen plötzlich total egal war. Ich konnte nicht essen oder schlafen, meine Zähne und mein Kopf schmerzten trotz Schmerztabletten und ich weinte zum zweiten Mal und fragte mich, ob ich wirklich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Viele sagten zu mir, dass man die Spange irgendwann gar nicht mehr merkt, das fand ich in den ersten Tagen einfach unvorstellbar (Hinweis: keine Angst! Es hat nicht jeder solche Schmerzen die ersten Tage, für viele fühlt es sich an wie leichter Muskelkater im Mund).

Aber die Tage gingen langsam vorüber und die Schmerzen wurden weniger (lediglich die Wangen waren noch etwas wund, weil sie die Spange nicht gewohnt waren. Da hilft aber Wachs, das man von seinem Kieferorthopäden erhält). Nach ein ca. 1- 1/2 Wochen war ich weites gehend schmerzfrei und konnte wieder ganz normal essen. An das Aussehen hatte ich mich auch langsam gewöhnt und so wartete ich auf die ersten Ergebnisse.

Die Zeit mit Zahnspange

Ich arrangierte mich mit dem neuen Anblick im Spiegel und besuchte ab sofort einmal im Monat die Kieferorthopädin. Womit ich nicht gerechnet habe: Gummis, die wild zwischen den Zähnen gespannt werden, um die Kieferstellung zu korrigieren. Ich musste sie Tag und Nacht tragen, mir wurden sogar zusätzliche „Häckchen“ hinter die Schneidezähne geklebt um sie von innen nach außen zu spannen, etc. Das ist natürlich eine ganz individuelle Sache, inwiefern diese Gummis eingesetzt werden aber ich musste sie viel tragen und da bringt eine durchsichtige Spange dann auch nicht mehr so viel 😀 Aber selbst daran gewöhnt man sich mit der Zeit.

Die ersten Ergebnisse konnte ich dann schon ca. 8-10 Wochen später sehen und generell haben meine Zähne und Kiefer super mitgemacht und sich in die richtige Position schieben lassen. Schmerzen hatte ich durch die Gummis oder durch stärkere Drähte danach zum Glück keine (wenig).

Nach ein paar Monaten waren die Zähne schon gerade gerückt. Nur die Kieferfehlstellung (Kreuzbiss) zu korrigieren hat etwas länger gedauert. Aber nach ca. einem Jahr hatte auch der Kiefer eine normale Stellung erreicht. Dadurch dass ich die Gummis wirklich regelmäßig getragen habe, ging es zum Glück sehr schnell.

Verlobungsshooting mit Zahnspange (Foto by Jane Weber)

Im Anschluss blieb die Zahnspange allerdings noch ca. 8 Monate drin um die Position zu stabilisieren. Gummis musste ich in dieser Phase nicht mehr tragen. Im Dezember 2016, ein paar Tage vor meinem 30. Geburtstag, kam die Zahnspange dann wieder raus. Ich musste sie also nur ca. 1 1/2 Jahre, statt wie vorher prognostiziert bis zu 3 Jahre tragen.

Zahnspange im Berufsleben

Ich arbeite in einem eher konservativen Umfeld und hatte natürlich etwas Angst vor den Reaktionen. Aus diesem Grund war es mir auch wichtig, dass die Spange nicht ganz so sehr ins Auge sticht. Ich muss aber sagen, dass ich in der gesamten Zeit mit Zahnspange keine einzige negative Reaktion erlebt habe!

Selbstbewusstsein mit Zahnspange

Bereits bevor man eine Veränderung der Zähne gesehen hat, hat sich mein Selbstbewusstsein sehr verstärkt und ich habe viel mehr mit offenem Mund gelächelt als vorher. Klingt vielleicht seltsam aber ich dachte, jeder, der die Spange sieht, weiß dass sich etwas an meinen schiefen Zähnen ändern wird.

Außerdem kann man eine Spange, und vor allem Gummis, die zwischen den Zähnen gespannt werden müssen, nicht verstecken. Aus diesem Grund dachte ich, ist es besser direkt dazu zu stehen, statt mich dafür zu schämen.

Logopädische Behandlung

Noch während der kieferorthopädischen Behandlung riet mir die Kieferorthopädin dringend, mich in logopädische Behandlung zu begeben. Meine Zunge hat beim Sprechen von „S“ und „Z“ lauten die vorderen Zähne berührt, jemand der es nicht weiß hört dieses nach innen gerichtete Lispeln zwar nicht, aber seit ich es weiß, höre ich es auch, wenn ich die Laute Mal wieder falsch ausspreche. Der eigentliche Grund zur logopädischen Behandlung war aber, dass die Zunge die Zähne natürlich nicht wieder in eine falsche Richtung schieben sollte. Ich hatte 2x 10 Sitzungen á 45 Minuten, in denen zuerst meine Lippen und Zunge trainiert wurden und im Anschluss an meiner Aussprache der „S“ und „Z“ Laute gearbeitet wurde.

Das Ganze war mit vielen Übungen zu Hause verbunden, auch wenn man sich dabei zum Teil etwas albern vorkommt. Aber wer so viel Geld aus eigener Tasche für seine Zähne bezahlt, der tut eben einiges, damit diese auch schön bleiben. Außerdem hatte ich das Glück eine sehr sympathische Logopädin in meinem Alter zu haben, sodass die Sitzungen immer sehr angenehm waren.

Die Sitzungen sind mittlerweile beendet aber daran, dass die Aussprache der Laute selbstverständlich wird, muss ich wohl noch viel arbeiten.

 

Schwanger mit Zahnspange

Die Schwangerschaft hat die Behandlung eigentlich nicht beeinflusst. Natürlich durften während der Zeit keine Röntgen Aufnahmen erstellt werden, das war im Grunde aber auch die Einzige Einschränkung. Schwangerschaft und Zahnspange sind also kein Problem 😉

Ergebnis

Die Schmerzen sind weg und meine Zähne sind gerade! Rückblickend bereue ich nur, es nicht eher in Angriff genommen und so lange mit schiefen Zähnen gelebt zu haben. Es gibt mittlerweile so viele Möglichkeiten, dass sich niemand scheuen sollte, sich zumindest ausführlich beraten zu lassen!

Danach

Hinter meine vorderen Zähne wurden Drähte geklebt (sogenannte Retainer) und nachts trage ich unsichtbare Schienen. Die Retainer sind/waren echt gewöhnungsbedürftig. Mittlerweile stören sie aber nicht mehr. Sie sollen für mindestens 10 Jahre drin bleiben, es wird allerdings empfohlen, sie letztendlich für immer drin zu lassen. Ich denke, dass ich dieser Empfehlung folgen werde, schließlich war es eine kostspielige und aufwendige Angelegenheit.

Hollywoodzähne habe ich leider immer noch nicht, aber meine Kieferorthopädin versicherte mir, dass das die wenigsten haben und das bei den Stars und Sternchen nicht mehr viel echt ist an den Zähnen 😉 Ich bin daher also sehr mit dem Ergebnis zufrieden und würde es immer wieder machen!

Ich hoffe, ich konnte euch helfen. Sollten noch Fragen offen geblieben sein, beantworte ich euch diese natürlich gern in den Kommentaren!

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11 Kommentare

  1. Lagidium sagt: Antworten

    Das Ergebnis ist echt super geworden! Und du kannst stolz auf dich sein, soviel Mut zu haben auch im Erwachsenenalter dazu zu stehen, eben eine Zahnspange zu brauchen!

    1. Danke! 🙂

  2. Annika sagt: Antworten

    Hey Melanie, bisher kannte ich dich nur durch deine Rezepte, die ich eh schon super finde und momentan mit meinem Schwangerschaftsdiabetes ausgiebig nutze 😉 deshalb erst mal danke dafür! Ich finde es ganz toll, dass du so persönlich und offen über das Thema Zahnspange schreibst… Du hilfst damit sicherlich vielen anderen, sich doch zu trauen, das Ganze in Angriff zu nehmen! Ganz liebe Grüße, Annika

    1. Das freut mich, danke für deinen lieben Kommentar 🙂
      Alles gute für die Schwangerschaft! :-*

    2. Ronjs sagt: Antworten

      Hey. Danke für deine Beitrag, den ich toll finde. Ich selber habe vor 10 Tagen die Spange bekommen. Ich habe mich für die silberne Spange entschieden, da meine KFO mir diese empfohlen hat ( soll schneller gehen). Auch ist diese Behandlung günstiger. Na ja)-:. Im Juli heirate ich, die Spange wird dann natürlich noch drinn sein, habe noch sicher 15 Monate vor mir. Habe mich aber endlich dazu entschieden, da ich die Behandlung eigentlich schon als Teenager gebraucht hätte. Auch ich habe bis jetzt auf Fotos nie gelacht. Herzliche Grüsse

  3. Riasausm sagt: Antworten

    Einfach Wahnsinn und sehr beeindruckend. Das Ergebnis ist toll und du kannst wirklich Stolz auf dich sein das durchgezogen zu haben.

  4. Manuela sagt: Antworten

    Vielen Dank für deine Geschichte zu diesem Thema. Das Ergebnis sieht großartig aus! Ich selbst bin 33 und an dem Punkt wo Du auch gestanden hast. Ich habe letztes Jahr überlegt mir die Zähne richten zu lassen und dein Beitrag hat mir gezeigt, dass es die beste Entscheidung ist, dies zu machen. Danke!
    P.s. Vielleicht kannst du mir persönlich per Email schreiben, was Du gezahlt hast. Hab mir schon Angebote eingeholt, würde mich aber sehr interessieren und mir helfen, zu wissen, ob ich auf dem richtigen Weg bin.
    Liebe Grüße
    Ela

  5. Stephanie sagt: Antworten

    Ich hane auch mit 32 Jahre eine Zahnspange bekommen und ich würde es immer wieder tun.Dein Ergebnis ist Bombe geworden 🤗

  6. Mona sagt: Antworten

    Richtig tolles Ergebnis 🙂 Finde es super dass du das so durchgezogen hast 🙂

  7. WOW!! Was für ein Ergebnis!!! Ich bewundere deinen Mut auch sehr, ich selbst hätte auch gerne schönere Zähne, aber ich trau mich nicht 😉🙈 leider lässt mein Beruf (Schauspielerin) das auch wirklich nicht zu, da würde ich mich total ins Aus schießen. Du kannst echt super stolz auf deine schönen Zähne sein!! Hat sich gelohnt!!! 😘 Du siehst klasse aus! (Vorher übrigens auch schon!!)

  8. Denise sagt: Antworten

    Hallo Melanie,
    Ein super Ergebnis! Interessant finde ich die Diskussion im Erwachsenenalter, so selten ist das gar nicht mehr! Selbst meine junge Zahnärztin hat sich eine feste Spange verpassen lassen, meine Kollegin mit 43, das haben wir erst Tage später gesehen, da es nur unten war.
    Ich finde es toll, wenn man außerhalb der üblichen Norm noch Dinge in den Angriff nimmt.
    Und eigentlich finden alle anderen das auch mutig, toll und interessant!!
    Sei stolz auf Dich 😘
    VLG Denise

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